Die Tricks der Lebensmittelindustrie – und wie man sich schützen kann

Die Piemont-Kirsche ist zum Inbegriff der Werbetricks der Lebensmittelindustrie geworden. Warum? Weil es sie in Wirklichkeit nicht gibt. Sie ist eine Erfindung des Unternehmens Ferrero. Den „Mon Chéri“-Käufern soll so ein Gefühl von Luxus und Exklusivität vermittelt werden. Wer glaubt, dass die Kirschen für die Pralinen wenigstens aus der italienischen Region Piemont stammen, irrt. Die Früchte werden in „Anbaugebieten auf der ganzen Welt“ geerntet, heißt es auf der Produkthomepage. Jede Kirsche kann also eine Piemont-Kirsche werden.

Kirschen

Bei Ferrero scheint die Marketingabteilung besonders kreativ zu sein. Byzantiner Königsnüsse, mit denen der Konzern für Rocher, Hanuta und Co. geworben hat, gibt es nicht. Auch die Existenz der Carmagnola-Minze, mit der füher für tic tac geworben wurde, wird in Foren und Blogs heiß diskutiert. Immerhin gibt es in den Botanischen Gärten der Universität Bonn eine Minzsorte mit dem Namen Mentha spicata ‚Tic Tac‘. Fakt ist, dass „Piemont-Kirsche“, „Byzantiner Königsnüsse“ und das Wort „Carmagnola“ eingetragene Marken von Ferrero sind.

Aus Pollack wird Alaska Seelachs
Nahrungsmitteln neue, besser klingende Namen zu geben, scheint in der Lebensmittelindustrie üblich zu sein. Die Fischindustrie hat sich in den 1980er Jahren den Namen „Alaska Seelachs“ einfallen lassen. Eigentlich heißt der Fisch, der unter diesem Namen vermarktet wird, pazifischer Pollack, berichtet der Radiosender WDR 5. Der neue Name hört sich luxuriöser an und verkauft sich besser. Stellt euch einmal selbst die Frage, was ihr lieber essen würdet: Fischstäbchen aus Alaska Seelachs oder Fischstäbchen aus pazifischem Pollack. Meine Wahl würde klar auf den Alaska Seelachs fallen. Das Marketing funktioniert also.

Lügen ist verboten
Bezeichnungen wie Alaska Seelachs oder Piemont-Kirsche dürfen legal verwendet werden. Kritisch wird es für Unternehmen erst, wenn sie falsche Angaben machen und Kunden damit in die Irre führen. Denn das ist gesetzlich verboten.

Pinocchio

Werbung darf nicht lügen.

Organisationen wie die Verbraucherzentralen oder der Verein foodwatch wachen über die Einhaltung der Gesetze. Im Juni hat der Verbraucherzentrale Bundesverband vor dem Europäischen Gerichtshof einen Sieg errungen. „Was auf der Verpackung abgebildet ist, muss auch drin sein“, heißt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg. Das hört sich logisch an, entsprach aber nicht dem Vorgehen des Unternehmens Teekanne. In dem Fall ging es um den „Felix Himbeer-Vanille-Abenteuer-Tee“. Auf der Verpackung wurden Himbeeren und Vanilleblüten abgebildet, aber der Tee enthielt weder Himbeeren oder Vanille, noch natürliches Aroma aus Himbeeren oder Vanille.

So erkennt ihr Schwindeleien
Der Einkauf im Supermarkt kann ganz schön verwirrend sein. Umso wichtiger ist es, die Tricks der Lebensmittelindustrie zu erkennen. Ein guter Hinweis ist immer die Zutatenliste. Hier werden die Inhaltsstoffe nach abnehmenden Gewichtsanteilen aufgelistet. Das heißt: Das, was am Anfang steht, ist am meisten enthalten und von dem, was am Ende steht, ist am wenigsten drin. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat auf ihrer Internetseite einige Tipps aufgelistet. Hier findet ihr eine kurze Zusammenfassung der Hinweise:

  • Überprüft, ob die Zutaten, die auf der Verpackung abgebildet sind, auch in der Zutatenliste auftauchen.
  • Achtung bei dem Zusatz „Serviervorschlag“: Die hier abgebildeten Zutaten müssen in dem Produkt nicht enthalten sein.
  • Verwechselt nicht „Vanilla“ mit „Vanille“: Wo „Vanilla“ draufsteht, muss keine Vanille drin sein.
  • Vorsicht bei Ausdrücken wie „à la Haselnuss“ oder „mit Erdbeergeschmack“. Nur weil etwas nach Erdbeere schmeckt, heißt das nicht, dass Erdbeeren drin sein müssen.

Weitere Informationen findet ihr auf www.lebensmittelklarheit.de, einem Portal der Verbraucherzentralen, sowie auf www.foodwatch.org. (dk)

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